PVC-Recycling

Seit über 50 Jahren hat sich der Kunststoff PVC mehr als erfolgreich auf der ganzen Welt durchgesetzt. Der vielseitige Werkstoff gehört heute zu den wichtigsten Kunststoffen, ist international anerkannt und am Markt erprobt.

PVC zeichnet sich durch sein besonders breites Anwendungsspektrum aus. Die Produkte sind meist kostengünstig in der Anschaffung und im Unterhalt. Dabei tragen sie während ihres gesamten Lebenszyklus immer mehr zur nachhaltigen Entwicklung bei: durch moderne Herstellungs- und Produktionsverfahren, den verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Ressourcen, die kostengünstige Herstellung und Verarbeitung, aber auch durch zahlreiche Verwertungsangebote. Diese Fortschritte haben zu einer stetig steigenden Nachfrage des Kunststoffes geführt. Durch kostengünstige PVC-Produkte spart die Gesellschaft zudem Geld ein, das wieder für sinnvolle ökologische oder soziale Investitionen ausgegeben werden kann.

Gebrauchte PVC-Produkte sind zum Wegwerfen viel zu schade. Um wertvolle Ressourcen zu schonen, hat die europäische PVC-Branche deshalb die Wiederverwertung der wichtigsten PVC-Produkte organisiert und setzt sich hier auch für die Zukunft ehrgeizige Ziele.

STEIGENDE VERWERTUNGSQUOTEN

Die Opens external link in new windowArbeitsgemeinschaft PVC und UMWELT e.V. beauftragt die Consultic Marketing und Industrieberatung GmbH in regelmäßigen Abständen mit der Erhebung abfallrelevanter Zahlen für PVC in Deutschland. Im Jahr 2007 lag die PVC-Abfallmenge bei ca. 563.000 Tonnen (505.000 Tonnen in 2005). Das entspricht 1-2 Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Der Anteil an Nachgebrauchs-Abfällen ("post-consumer") in dieser Menge lag bei ca. 403.000 Tonnen (360.000 Tonnen in 2005). Davon wurden ca. 77.000 Tonnen (60.000 Tonnen in 2005 werkstofflich und rohstofflich recycelt. Nimmt man die Produktionsabfälle dazu, so erhöht sich die stofflich verwertete Menge auf insgesamt ca. 221.000 Tonnen (180.000 Tonnen in 2005). Tatsächlich liegt die verwertete Menge aber noch höher. Nicht von der Statistik erfasst ist das so genannte "In-House-Recycling". Dabei werden die an der Verarbeitungsmaschine anfallenden Produktionsabfälle zerkleinert und anschließend sofort wiederverwertet.

Bezogen auf die Gesamtabfallmenge (post- und Produktionsabfall) liegt die stoffliche Verwertungsquote bei ca. 36 %. Weitere PVC-Abfälle werden heute nach dem Stand der Technik – hauptsächlich in Müllverbrennungsanlagen – energetisch verwertet. Da PVC einen ähnlichen Heizwert wie Braunkohle hat (ca. 19 MJ/kg), ist es unstrittig, dass der Werkstoff positiv zur Energiebilanz bei der Verbrennung von Hausmüll (ca. 11 MJ/kg) beiträgt.

WERKSTOFFLICHE VERWERTUNG

Werkstoffliches Recycling ist in der PVC-Produktion und -Verarbeitung schon seit vielen Jahrzehnten üblich. Der größte Teil von sortenreinen Abfällen gelangt direkt in die Produktion zurück. Für die Wiederverwertung der post-consumer-Abfälle ("Nachgebrauchs-Abfälle") hat die PVC-Branche eine Reihe von Initiativen entwickelt, die mittlerweile im Markt etabliert sind.

In der Abfallwirtschaft sind PVC-Bauprodukte mengenmäßig am bedeutendsten. Um diese Abfälle kümmern sich in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling (AgPR) und RoofCollect – die Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft für PVC-Dachbahnen Recycling (AfDR). Für Fenster hat die Opens external link in new windowRewindo Fenster-Recycling-Service GmbH ein flächendeckendes Rücknahmesystem eingerichtet. Sie arbeitet eng mit ihren Recyclingpartnern Tönsmeier Kunststoffe und VEKA Umwelttechnik zusammen. Seit Anfang 2005 bilden die Rohr-Recycling in Westeregeln – ein Tochterunternehmen der Tönsmeier-Gruppe – und der Kunststoffrohrverband (KRV) eine Allianz, um die Verwertungsmengen zu steigern. Die neue Initiative nimmt PVC-Rohre bundesweit zurück und sorgt für die Verwertung der Altprodukte. Die PVC-Branche in Deutschland kooperiert darüber hinaus mit der von "Vinyl 2010" gegründeten europäischen Initiative Recovinyl.

In Österreich organisieren die Brancheninitiativen ÖAKF (Österreichischer Arbeitskreis Kunststoff-Fenster) und ÖAKR (Österreichischer Arbeitskreis Kunststoff-Rohre) den Rücklauf und die Verwertung von Alt-PVC. Die so gesammelten Mengen werden größtenteils von der Reststofftechnik GmbH in Salzburg verarbeitet. Das von Solvay entwickelte Lösemittelverfahren VINYLOOP® ermöglicht ausserdem, bisher schwer behandelbare Verbundmaterialien zu verwerten (z.B. PVC/Kupfer aus Kabelresten oder PVC/Polyester von alten Planen). Die innovative VINYLOOP®-Technologie ging Anfang 2002 nach Fertigstellung einer 10 Kilotonnen-Anlage im italienischen Ferrara an den Start. Weitere Anlagen sind geplant.

Auch für Verpackungen, Kabel, Kreditkarten und gemischte PVC-Abfälle gibt es Recyclingangebote. Diese und eine Vielzahl von Recyclingprodukten sind im Opens external link in new windowPVC-Recycling-Finder.

Mit ihren zukunftsfähigen Rücknahme- und Verwertungssystemen für ihre Altprodukte leistet die PVC-Branche einen großen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften.

ROHSTOFFLICHE VERWERTUNG

Bei der thermischen Behandlung von PVC-Produkten lässt sich Chlorwasserstoff in reiner Form gewinnen. Dabei wird der Kohlenwasserstoff-Anteil im PVC im gleichen Prozess zur Wärmebeziehungsweise Stromgewinnung genutzt. Der Chlorwasserstoff fließt dann wieder in die PVC-Produktion zurück. Rohstoffliche Verfahren unterscheiden sich durch Prozesse mit und ohne Chlorlimitierung. Dabei eignet sich das Verwertungsverfahren ohne Chlorlimitierung vor allem für verschmutzte und PVC-reiche Kunststoffmisch-Fraktionen. Die PVC-Branche untersucht bereits seit 1992 geeignete Technologien zur rohstofflichen Verwertung PVC-reicher Abfallströme.

Die Drehrohrofen-Verwertungsanlage bei DOW/BSL in Schkopau ist technisch geeignet für PVC-reiche Abfallströme als rohstoffliches Verfahren. In der Ende 1999 in Betrieb genommenen Anlage können unter anderem PVC-Abfälle in fester und flüssiger Form verwertet werden. Durch die thermische Behandlung der Abfälle spaltet sich unter Ausnutzung der freiwerdenden Energie Chlorwasserstoff ab. Noch am Standort zu Salzsäure verarbeitet, kann er wieder als Rohstoff für die PVC-Herstellung eingesetzt werden.

Bei der Calciumcarbidproduktion der Alzchem Trostberg GmbH in Hart an der Alz können heizwertreiche Kunststofffraktionen mit Chlorgehalten bis zu 10 Prozent eingesetzt werden. Diese Abfälle dienen der Erhöhung der Menge und des Heizwertes des entstehenden Carbidofengases. Ecoloop, ein Tochterunternehmen der Fels-Werke GmbH, ermöglicht mit einer neuen Technologie die energieeffiziente Umwandlung organischer oder kohlenstoffreicherMaterialien wie z.B. Altholz oder Kunststoff in gereinigtes Synthesegas als Energieträger. Dabei können auch Rohstoffe mit einem Chlorgehalt von bis zu zehn Prozent verwendet werden. 

VEKA Umwelttechnik